Meine Eingebung meine Spinde

Ich bin Germanist und arbeite für einen Verlag in unserer Stadt. Mir gehört immer die dritte Seite der Zeitschrift, wo ich meinen Überlegungen und Weisheiten freien Lauf lassen kann. Feuilleton ist für mich die perfekte Form, wo ich mich äußern kann, denn ich bin sehr emotionell und versehe meine Texte immer mit persönlichen Kommentaren. Ich kann mir Artikel, die rein sachlich sind, kaum vorstellen. Jedenfalls liebe ich meine Arbeit und sehe sie nicht nur als Finanzquelle und reine berufliche Beschäftigung, sondern vielmehr als Berufung und Aufgabe. Oft brauche ich aber Inspiration. Ich persönlich habe schon mehrere Art und Weisen ausprobiert, Eingebung zu bekommen. Eine davon ist das Schreiben im Freien, mit schönem Aussicht vor Augen. Eine andere besteht darin, dass ich die Inspiration von irgendwelchen Gegenständen schöpfe, die nicht einmal ganz gängig und normal sind, für mich aber ein ungewöhnliches Ausmaß darstellen. Meine Spinde sind ein gutes Beispiel an der Stelle. Ihr könnt mich für verrückt erklären, doch ich habe extra einen Raum eingerichtet, wo es nur einen Stuhl und die Spinde gibt. Ich sitze auf dem Stuhl mit dem Laptop auf dem Schoß und sehe sie an. In der Wirklichkeit sind sie leer, doch ich stelle mir vor, was da drin sein könnte.